WIE ERHÄLT MAN EINEN IPv6 - ADRESSBEREICH?

Grundsätzliches

 

Das neue Internet Protocol Version 6 (IPv6) ist momentan bei den meisten Unternehmen zumindest in der Planungsphase. Während der Planung ist es wichtig, ein flexibles und zukunftsfähiges IPv6-Adresskonzept zu entwickeln und je nach Unternehmensgröße providerunabhängige IPv6-Adressen zu verwenden. 

 

Wir empfehlen Ihnen im IPv6-Adresskonzept auch für die interne Adressierung öffentliche und unabhängige IPv6-Adressen vorzusehen.

 

In diesem Beitrag erklären wir, wie Sie an öffentliche IPv6-Adressen für Ihr Unternehmen gelangen.

 

Grundsätzlich gibt es verschiedene Methoden, um IPv6-Address-Space zu beziehen.

IPv6-Adressen vom Provider

Der übliche und einfachste Weg ist, beim Ihrem aktuellen Provider anzufragen. Der Provider wird aus seinem, durch die „Regional Internet Registry” (abgekürzt RIR, in Europa: RIPE NCC) zugewiesenen, öffentlichen IPv6-Adressbereich (PA-Space, „provider aggregatable”) ein Subnetz für Sie bereitstellen.

Je nach Dienstleistung und Art des Providers wird Ihnen dieses Subnetz entweder auf Ihre Hosting-Umgebung oder auf Ihren Internetzugang geroutet und kann dort verwendet werden.

 

Der Vorteil dieser Lösung ist, dass Sie kein besonderes Routing-Equipment benötigen und nicht direkt mit dem RIPE NCC in Kontakt stehen müssen. Finanziell und technisch ist diese Lösung scheinbar mit dem geringsten Aufwand verbunden und wird besonders von kleineren Unternehmen häufig verwendet.

Der Nachteil dieser vom Provider abhängigen Lösung ist, dass der IP-Adressbereich (Präfix) aus dessen Provider „PA-Space” stammt, und Sie bei einem Provider-Umzug oder bei einem sonstigen Verlust des Internetzugangsanbieters komplett auf ein anderes IP-Netz umadressieren müssen.

Ein vom Provider zugewiesenes „PA” IP-Netz kann nicht zu einem anderen Provider mitgenommen werden, da die Kundennetze immer Teilmengen des jeweiligen Providernetzes sind: eben PA-space, „provider aggregatable”. Außerdem besteht später keine Möglichkeit des BGP-Multihoming (Border Gateway Protocol), also Ihr IP-Netz redundant über verschiedene Provider im Internet zugänglich zu machen.

 

Selbst wenn es keine Notwendigkeit zum Wechsel des Providers gibt, so ist auch ein Wettbewerb zwischen den Providern nicht mehr möglich: Die hohen Migrationskosten für das Umadressieren hin zu einem anderen IPv6-Netz verhindern praktisch ein Providerwechsel, der bestehende Provider ist in einer sehr komfortablen Wettbewerbsposition gegenüber anderen Netzzugangsanbietern.

Providerunabhängiger IP-Adressbereich

 

Die kluge und übliche Alternative für mittlere und größere Unternehmen oder für Unternehmen mit eigenen Webdienstleistungen ist daher ein providerunabhängiger IP-Adressbereich (PI-Space, „provider independent”) . 

Diese IPv6-, und auch IPv4-Adressen, werden über eine Local Internet Registry (LIR) Ihrer Wahl beantragt.

Diese so beantragten IP-Netze werden Ihnen letztendlich von der RIPE (in Funktion als „RIR”) zugewiesen und über die LIR Ihrer Wahl an Sie verteilt. Die LIR ist Ihre Schnittstelle zum RIPE NCC und kümmert sich um die technischen und administrativen Belange zwischen Ihnen und der RIPE und verwaltet Ihre so genannten „resources” dort.

 

Die Vorteile dieser Lösung sind eindeutig:

  • Sie verfügen über einen IPv6-Adressbereich, der Ihnen namentlich zugewiesen ist und mit dem Sie komplett unabhängig vom Internet- oder Hostingprovider sind.

  • Sie können flexibel und redundant die Anbindung zum Internet und auch zu anderen Firmenstandorten realisieren.

  • Ihr IPv6-Netz kann weltweit von verschiedenen Providern announced werden. Das bedeutet, Sie können hochverfügbare IPv6-Anycast oder Mulithominglösungen mit Ihrem IPv6-Adressbereich realisieren. Damit sind Sie unter anderem gut gegen eine Störung bei einem Ihrer Provider geschützt.

Für eine „PI-Allocation” (PI = „provider independent”) muss von der LIR über das LIR-Portal der RIPE https://lirportal.ripe.net ein IP-Adressbereich angefordert werden. (Größere LIRs nutzen zur Ressourcenverwaltung statt des Webportals eine bereitgestellte API der RIPE.) 

 

Das üblicherweise kleinste mögliche PI - IPv6-Netz mit einer Präfixlänge /48 (Netzwerkanteil der IP-Adresse) ist über eine LIR zügig beantragt und muss nicht weiter mit Netzplänen und Adresskonzepten argumentiert werden.

Es stehen Ihnen bei einem IPv6-Netz mit einer Maske von 48 Bit bereits 80 Bit für den Hostanteil und damit theoretisch mehr als 1024 IPv6-Adressen zur Verfügung. Auch nach Abzug der nur theoretisch nutzbaren Subnetze (16 Bit) und Adressen ist Ihr Adressbereich um ein Vielfaches größer, als es mit IPv4 jemals im Unternehmen möglich war.

Bei Netzen mit einem Präfix größer /48 (das Präfix, also die Anzahl der festgesetzten Bits, wird zahlenmäßig kleiner) muss gegenüber der RIPE mit einem IP-Adresskonzept argumentiert werden.

 

 

Zurück zur Local Internet Registry (LIR): Die LIR kann zu einem späteren Zeitpunkt relativ problemlos gewechselt werden, da alle „resources" bei der RIPE grundsätzlich Ihrem Unternehmen zugeordnet sind und die LIR lediglich als Verwalter dieser IP-Adressbereiche und anderer „resources” auftritt.

 

Die Kosten für die Einrichtung und Verwaltung Ihrer „resources” berechnet Ihnen Ihre jeweilige LIR, also bspw. die iternas GmbH. Das RIPE NCC wiederum stellt Ihre anfallenden Aufwände den LIRs gesammelt in Rechnung.

 

Nachdem Ihnen PI-Address-Space zugeteilt wurde, muss dieser noch im Internet bekannt gegeben werden, er muss also im Internet statisch oder dynamisch über das Routingprotokoll BGP angekündigt (announced) werden. Für diese technische Dienstleistung ist mit einem Hostinganbieter ebenfalls eine Vereinbarung zu treffen. Viele große Hostinganbieter bieten als Standardservice an, PI-Space für Sie im Internet über das Routingprotokoll BGP zu announcen. Die Gebühren dafür berechnet Ihnen Ihr Hostingprovider.

Zusammenfassung providerunabhängiger IP-Adressbereich

Zusammengefasst benötigen Sie für PI-Space grundsätzlich mindestens die zwei der oben beschriebenen Dienstleistungen:

  1. Einen Vertrag mit einer Sponsoring LIR, der Schnittstelle zur RIPE, um die IP-Adressbereiche und andere RIPE resources zu erhalten und diese zu verwalten.

  2. Eine Vereinbarung mit einem Hosting- oder Internetprovider, der diesen IP-Adressbereich für Sie im Internet per BGP bekannt gibt und Ihre IP-Adressen damit erreichbar macht.

 

Wenn Sie Ihr Netz selbst per BGP (Border Gateway Protocol) announcen möchten, benötigen Sie zudem noch eine AS-Nummer (Autonomous System Number) mit der sich jedes IP-Netz (BGP-Routingdomäne) im Internet bekannt gibt. 

(Das Prinzip ist: „IP-Netz xx ist erreichbar in AS-Nummer yy”).

Diese AS-Nummer ist ebenso eine „resource” bei der RIPE und wird Ihnen von Ihrer LIR bereitgestellt und verwaltet.

 

Zusätzlich benötigen Sie hochwertiges Netzwerkequipment, um am Internet-Routing teilzunehmen. 

 

Die technischen Voraussetzungen für providerunabhängige IP-Adressen sind also wesentlich umfangreicher als bei der vorgenannten providerabhängigen Methode. 

 

Zur Minimierung der Abhängigkeit vom Provider und zur Realisierung von komplexen Internet-Projekten ist diese providerunabhängige Adresszuteilung jedoch alternativlos.

Zudem minimiert diese Unabhängigkeit Kosten, da der bestehende Provider keine Monopolstellung bei Ihnen auf Grund der tief integrierten IP-Adressen hat.

Stand: 2019, iternas GmbH

Die iternas GmbH ist RIPE NCC-Mitglied und LIR (Local Internet Registry).

 

Wir beraten Sie zu Ihrem IPv4 & IPv6 redundanten, skalierbaren und sicheren Internet-Projekt.

In der Funktion als RIPE LIR beantragen wir für Sie und in Ihrem Namen offizielle (PI, provider independent) IPv6-Adressen, für gewöhnlich 48 Bit Präfixe (/48).

(Die Zuweisung von „RIPE Ressourcen" ohne einen LIR ist nicht möglich.)

Zudem verfügen wir über sehr erfahrene IPv6-Spezialisten und planen, managen oder unterstützen Ihre IPv6-Migration im Unternehmen.

Mit * gekennzeichnete Angaben sind notwendig. Alle Ihre Angaben werden intern zur Weiterverarbeitung bei der iternas GmbH und beim Webdienstleister soweit gespeichert, wie es zur weiteren Anfragenbearbeitung notwendig ist. Damit erklären Sie sich einverstanden. Falls Sie dies nicht wünschen, so verzichten Sie bitte auf diese Art der Kontaktaufnahme rufen uns bspw. an.

Wir nehmen den Schutz Ihrer Daten sehr ernst, im technischen als auch im organisatorischen Sinne.

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